Bayer04 Leverkusen: Saisonrückblick 2016/2017

Ich gucke raus. Die Sonne scheint. Super. Im Gegensatz zur Saison von Bayer, in der es eigentlich durchgehend regnete. Dabei hatte man doch den ,,besten Kader aller Zeiten“. Was lief eigentlich schief?  Gab es auch positive Aspekte und was sind die Lehren für die Zukunft? Diese Fragen möchte ich in diesem Artikel beantworten.

Auf dem Papier:

Zuerst einmal die Fakten: 11 Siegen stehen 15 Niederlagen gegenüber. 8mal spielte das Team unentschieden. Mit 53 Toren stellt Leverkusen die 6- beste Offensive der Liga. Mit 55 Gegentoren allerdings nur die 12-beste Defensive. Unteres Tabellendrittel. Wie der Platz in der Tabelle am Saisonende. Zu wenig für das ambitionierte und talentierte Fußballteam Leverkusen. Vom ,vor der Saison anvisierten Platz 3, war das Team am Ende 23 Punkte weit entfernt .Dort steht der BVB, dessen intern kritisierter Trainer Tuchel nun als Kandidat für den Trainerposten am Bayerwerk gehandelt wird.

Bayer hatte diese Saison durchschnittlich 54% ballbesitz und brachte 78% der Pässe an den eigenen Mann. Im Vergleich zu den letzten Spielzeiten hat sich Leverkusen hier sogar verbessert. Auch ein Verdienst von Tayfun Korkut, der kontrollierter spielen lassen wollte, was er allerdings nicht immer durchsetzen konnte. Gewiss war es ein schweres Erbe, welches Roger Schmidt Tayfun Korkut überließ. Den Spielern war zweieinhalb Jahre nur bedingungsloses Pressing eingeflößt worden.

Die Bundesliga-Spiele:

Wenn ich an diese Saison zurückdenke, bin ich froh ,dass sie vorbei ist. Ich denke z.B an die 0:3 Niederlage gegen Hoffenheim, ein 2:6 gegen den BVB, das 1:4 gegen Schalke und die anderen Niederlagen. Es gab auch tolle Spiele. Beispielsweise dieses 6:2 gestern in Berlin. Furios. Den Sieg über den BVB in der Hinrunde oder Pohjanpalos Hattrick und den damit verbundenen Sieg über den (wieder nicht abgestiegenen) HSV. Kurz gesagt: Zu viele Niederlagen.

 

Champions League und DfB Pokal:

Das Aus im DfB Pokal gegen die Sportfreunde Lotte war eines der schlimmsten Spiele, die ich jemals mit Leverkusen durchstehen musste. Wie beschämend. Als Champions League Teilnehmer, mit (ehemaligen?) Weltstars wie Chicharito, in der Aufstellung verlor das glorreiche Bayer04 gegen den Drittligisten Lotte und flog aus dem Pokal raus.

Deutlich besser schnitt Bayer in der Champions League ab. Die Gruppenphase überstand man ungeschlagen als Zweiter. Was allerdings besser klingt als es wirklich war, da man zwei sichergeglaubte Siege leichtfertig aus der Hand gab. Legendär ist meiner Ansicht nach, das Spiel gegen Tottenham im Wembley Stadion, als die aus Leverkusen mitgereisten Fans eine super Stimmung verbreitete  und Kevin Kampl das entscheidende Tor schoß. Dann das Ausscheiden gegen Atletico. Das Hinspiel verlief sehr unglücklich, Bayer verlor mit 2:4 unter Roger Schmidt. Im Rückspiel gab es ein 0:0 unter dem neuen Coach Tayfun Korkut. In der Champions League präsentierte sich das Team, wenn man die drei Wettbewerbe betrachtet, am besten.

 

Was schief lief:

Die Defensive präsentierte sich diese Saison trotz eines souveränen Bernd Leno als große Schwachstelle. Nach wie vor, kann das Team kaum Standards verteidigen. In der Innenverteidigung gab es keine Konstanz. Tah und Toprak waren oft verletzt. Wenn sie fit waren, spielten sie meist weit unter ihrem Zenit. Aleksandar Dragovic und Tin Jedvaj spielten ebenso unbeständig. Wer  aushelfen hätte können, wäre womöglich der erst nach Leipzig, dann nach Hamburg verliehene Grieche und Kämpfer Kyriakos Papadopoulos. Ein Typ wie Arturo Vidal, nur häufiger verletzt. Eine echte ,,Kampfsau“. So ein Typ fehlte Bayer besonders unter Tayfun Korkut.

Diese Saison hielt Roger Schmidt durchgehend an seinem Pressing-Fußball fest, was ihm am Ende zum Verhängnis wurde. Zu ausrechenbar war sein System, welches allerdings auch nicht mehr konsequent genug von den Spielern umgesetzt wurde.

Bei Korkut war eher das Gegenteil das Problem: Seine Taktik war nicht gut genug zu erkennen. Ansätze waren meistens da. Aber wirklich gezogen UND Punkte eingebracht hat sie nur gegen Bayern, Berlin, Köln und Darmstadt. Ich würde ihm raten, weiter an seiner Taktik zu feilen und bei verschiedenen, taktisch variablen Trainern zu hospitieren.

Eins lief da noch schief, diese Saison in Leverkusen. Die Effizienz bei Elfmetern. Ich glaube da muss ich gar nix groß zu sagen. Die meisten Elfer waren katastrophal. Zuletzt gegen Freiburg und Berlin wurde es dann aber wieder besser.

 

Was bleibt von Schmidt?

Vor allem die Erkenntnis, dass Bayer auch zukünftig auf die eigene Jugend setzen sollte. Mit Henrichs und Havertz kamen in 2 Saisons zwei Spieler aus der eigenen Jugend groß raus. Einer wurde sogar Nationalspieler.

Schmidt schenkte vielen seiner Spieler großes Vertrauen. Er machte sie besser. Ob Kampl, Tah, Henrichs oder Musterbeispiel Bellarabi: Sie alle, haben Schmidt viel zu verdanken.

Allerdings bleibt auch die Erkenntnis, dass ein Trainer in Leverkusen immer einen Plan B haben sollte. In den ersten beiden Jahren hatte er diesen. In seinem letzten nicht, weshalb er auch letztendlich gehen musste. Er hinterließ eine möglicherweise zu klare Handschrift.

Ich wünsche Roger Schmidt, einem guten Trainer, von Herzen viel Glück für die Zukunft.

 

Was bleibt von Korkut?

Natürlich deutlich weniger.

Er gab vielen Spielern eine zweite Chance. Ob Hilbert oder Jedvaj. Er half bei der Entwicklung des jungen Talents Kai Havertz mit. Er redete viel mit dem Team und fand am Ende in Stefan Kießling sogar einen wichtigen Führungsspieler, den viele herbeisehnten.

Auch dem kommunikativen Tayfun Korkut wünsche ich viel Erfolg für die Zukunft.

 

Saison-Fazit und welche Lehren man daraus für die Zukunft ziehen muss:

Man braucht einen Plan B! Taktische Variabilität ist wichtig wie nie. Rudi Völler sollte bei der Trainersuche vor Allem auf dieses Kriterium achten. Wichtig ist, dass der Coach gut mit jungen Spielern arbeiten kann und so das Team und den Weg des Vereines weiterhin verbessern kann. Im Kader von Bayer fehlten besonders am Saisonende die Führungsspieler, die dringend verpflichtet werden müssen.

Im Sommer wird sich einiges ändern. Ein neuer Trainer wird kommen. Der Abgang von Ömer Toprak und die Rückholaktion des Leverkusener Eigengewächses Dominik Kohr stehen bereits fest. Weitere Spieler werden in der anstehenden Transferphase den Verein verlassen, wie verstärken. Wichtig ist, dass Bayer04 danach kein Wolfsburg 2.0 wird, sondern schnell wieder oben mitspielt.

 

Bereits in der Hinrunde veröffentlichte ich eine Fehleranalyse der Hinrunde auf http://b04blog.de/ . Der Link dazu lautet:  http://b04blog.de/gastbeitrag-bayer-04-fehleranalyse/

 

 

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